Im Gasthaus Aspen hoch über Grindelwald ist die Abendkarte erstaunlich kreativ. Der Koch will aber ab und an einfach zuviel - seine guten Ideen finden den Weg auf den Teller nicht immer.
Gasthaus Aspen, Grindelwald von Daniel Ebneter auf Vimeo.
Nachdem sich der Winter Anfang März wider Erwarten noch einmal mit Nachdruck zu Wort gemeldet hat, ist die Anfahrt in den Weiler Itramen an der Bergflanke des Männlichen ein bisschen abenteuerlich. In der modern eingerichteten Gaststube wird es aber bald wieder gemütlich.
Schon in der Abendkarte zu lesen ist ein Vergnügen. Die Brigade des Aspen sprüht ganz offensichtlich vor Kreativität. Da wird munter und mutig kombiniert - recht ungewohnt für ein Restaurant in den Bergen. Wir spielen mit und bestellen kreuz und quer.
Leider zeigt sich schon bei den Vorspeisen, dass die auf dem Papier gemachten Versprechen nicht ganz eingehalten werden können. In der Zitronengrasconsommé ist der Geschmack desselben bei allem guten Willen nicht auszumachen. Die Kartoffelrandencrème schmeckt wie Tomatensuppe, und der "Sahnemeerrettich" dazu ist einfach nur Schlagrahm. Schade, dass bei beiden Suppen gerade das Spezielle nicht zur Geltung kommt.
Zu den Hauptgängen: Klar, es mag unvorsichtig sein, hoch oben auf dem Berg Seeteufelmedaillons auf einer winterlichen Gewürzgurkenkonfitüre mit Mohnschupfnudeln an einer Hummerbisque zu bestellen. Aber die Küche muss sich am Anspruch ihrer Karte messen lassen. Und sie wirkt hier ziemlich überfordert. Die Seeteufelmedaillons sind sauber auf den Punkt gegart, liegen aber auf einem viel zu grossen Bett von viel zu sauren Gewürzgurken. So hat die Hummerbisque, die zudem über den ganzen Teller verteilt ist, keine Chance, sich mit den gelungenen Schupfnudeln in Szene zu setzen.
Auch der Suure Mocke "Aspen-Special" leidet darunter, dass die Küche zuviel will. Ein derartiger Klassiker gehört schnörkellos serviert, er lebt vom Unkomplizierten. Im Aspen wird daraus ein Kunstwerk, das nicht so recht begeistern kann: Das recht zähe Fleisch ist arg knapp von der Sauce bedeckt, die Feigenkrautbonbons - eine Art Frühlingsrollen - enthalten verkochtes Rotkraut. Von den Feigen ist nichts zu spüren. Der getrüffelte Kartoffelstock ist dafür eine Wucht, davon hätten wir mehr als das kleine Glas gegessen.
Zum Dessert ist uns die Experimentierlust vergangen. Kein Problem - das Aspen hält eine grosse Auswahl Burehof-Glace von der Familie Inäbnit aus Grindelwald bereit. Hier treffen wir zum Abschluss doch noch die Einfachheit, die wir uns für das ganze Menü gewünscht hätten. Die Qualität stimmt nämlich, wie auch die Preise.
Dass sich das Aspen auf das schlichte Handwerk durchaus versteht, durften wir übrigens zwei Tage später über Mittag feststellen: Der "Aspen-Burger Deluxe" gehört zu den besten, die wir je gegessen haben.
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