(Bild: www.eichmuehle.ch)
Der Weg zur Eichmühle hoch über Wädenswil ist eng und verschlungen. Wer ankommt, darf sich aber auf ein gastronomisches Erlebnis der Spitzenklasse freuen.
Schon die amuse-gueules werden ihrem Namen auf höchstem Niveau gerecht: Auf kleinen Tabletts stehen Morchelterrine, Seeteufel auf Pumpernickel mit Guacamole, Entenlebertartelettes und frisches Sushi in Reih und Glied. Nicht lange allerdings - wir können kaum damit aufhören. Zum Glück geht's bald weiter an den schön gedeckten Tisch im Wintergarten, den wir an diesem Abend zu sechst ganz für uns alleine haben.
Obwohl die bayerisch angehauchte Saisonkarte noch manche Verführung bereitgehalten hätte, wähle ich das viergängige Meerfisch- und Krustentiermenü. Und muss gleich entscheiden: Carpaccio von Turbot und Saumon oder Sashimi und Tatiki zur ersten Vorspeise?
Die Vorspeisen: Erst eiskalt, dann zweimal perfekt
Wasabi und Meeralgensalat passen irgendwie nicht so recht zum Ort hier. Also Carpaccio, angerichtet mit ligurischem Olivenöl und Balsamico: Die Kreation kommt sorgfältig angerichtet auf den Tisch und schmeckt hervorragend. Ich hätte den Fisch aber noch mehr genossen, wenn er nicht so eiskalt gewesen wäre.
Dafür wärmt der nächste Gang. Eine bessere Bisque d'homard als diese hier habe ich noch gar nie gegessen: Sie ist sämig, grosszügig mit Hummerstücken angereichert und hat genau die richtige, tomatige Schärfe. Das perfekte Kunstwerk lässt sich die Eichmühle allerdings mit 28 Franken honorieren - arg an der Schmerzgrenze für eine Suppe.
In der nächsten Runde bilden Sepiaspaghettini, Sojasprossen und Lauch die passende Entourage für ein Ragout von kanadischem Hummer, zu dem sich Wildwasserkrevetten gesellen. Da gibt's nichts dran auszusetzen: Dieser Gang ist das Highlight des ganzes Menüs.
Der Hauptgang: Daneben getroffen?
Und er wirft Schatten auf den Hauptgang. Vom Loup de mer in Kartoffelkruste schmecke ich vor allem letztere - oder besser: Die darin grosszügig verarbeitete Butter. Unter der Ratatouille, die dazu serviert wird, habe ich mir was anderes vorgestellt als zu Brunoise verarbeitetes Gemüse im Espressotässchen. Dafür geht die Rotweinsauce in Ordnung - ohne gross zu begeistern.
Ob ich wohl besser Thunfisch und Riesenkrevette mit Zitronengras auf Currygemüse genommen hätte? oder das SwissPrim-Entrecôte mit Portwein-Trüffelsauce auf Quetschkartoffeln, von dem ein Tischgenosse nur so schwärmt? Vielleicht habe ich wirklich einfach nur falsch gewählt: Auch das Rindstournedos mit Balsamicosauce, zu dem es ein originell in Strudelteig verpacktes Kaninchenfilet und einen Broccoli-Blumenkohlflan gibt, wird rundum sehr gelobt.
Käse und Dessert: Wie im Paradies
Was kommt jetzt? Ich verzichte auf den tadellosen Käseteller mit Früchten und Nussbrot und entscheide mich stattdessen für lauwarmen Chèvre Serve et Belle mit Pfeffer, Rosmarin und Berghonig. Der geschmolzene Käse, serviert auf einem angerösteten Brötchen, ist ein weiterer Volltreffer.
Das Schöne an Lokalen auf dem Niveau der Eichmühle ist, dass man ein Dessert bestellt, aber viele kleine bekommt. So auch hier: Baumkuchen und Tonkabohneneis begleiten das Orangenparfait mit Agrumensalat, und die Schokoladenvariation vereint Warmes und Kaltes - aus bester kubanischer Schokolade mit 74% Kakao notabene. Die Harmonie in der Vielfalt überzeugt beide Male, die Qualität der einzelnen Bestandteile ebenso.
Doris und Jürgen Eder wollen ihre Gäste zu kulinarischen Höhenflügen verführen. Das gelingt ihnen mit ihrer kreativen und hochwertigen Küche problemlos. Das einzige, was ich mir - und ihnen - für nächstes Mal wünsche: Auch an einem Donnerstag Abend nur voll besetzte Tische.
Eders Restaurant Eichmühle
Eichmühle 2
8820 Wädenswil
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