Samstag gegen 11.30, in einem Megastore vor den Toren der Stadt. Viel Verkehr drinnen wie draussen. Auf dem Parkplatz tobt der Kampf um die letzten Lücken, drinnen rollen Bierdosen zum Spottpreis, Tiefkühlkost und allerlei Dosenfutter für Mensch und Tier unablässig in Richtung der zwanzig Kassen. Frische Früchte, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Brot erstrecken sich zwar über Hunderte von Quadratmetern. Einkaufswagen, die bis unter den Rand damit gefüllt sind, sind aber an einer Hand abzuzählen.
Nun gehört Einkaufen nicht zu den Tätigkeiten, die mir maximale Rechenleistung abverlangen. Drum habe ich auf der Strecke zwischen Brie de Meaux, Bio-Karotten und Hohrückensteak Zeit zum Nachdenken: Was fühlt der beleibte Herr da drüben, wenn er sein drittes Bier aufmacht und sich dazu ein weiteres Stück Analogkäse-Pizza reinschiebt? Was überlegt sich die junge Mutter, die ihr Kind mit Comella und Pommes Chips ruhigstellt? Weiss der gutgekleidete Geschäftsmann, wie wenig seine Fertigmenüs mit dem zu tun haben, was draufsteht?
Wer jetzt hier ein hochnäsiges Bashing erwartet, täuscht sich. All diese Leute haben einen Grund, so zu essen wie sie essen - und sei es nur, weil es ihnen komplett egal ist: Hauptsache ernährt. Aber sie verpassen etwas. Genau darum kann man übers Essen und Trinken gar nicht genug erzählen.
Gut gebrüllt Löwe Daniel!
Kommentiert von: Thomas Frei | Freitag, 30. Juli 2010 um 19:19 Uhr
Ja, Essen ist etwas "kontra-intuitiv" in der heutigen Zeit. Was kurzfristig und schnell Genussfülle bringt ( z.B. Käsechips) ist langfristig ungesund. Und was kurzfristig nicht so intensiv schmeckt (Roher Broccoli) hat aber langfristig massiv besseren Einfluss auf den Körper. Und dass roher Broccoli (ein fortg. Beispiel) "schlecht schmeckt" ist oftmals reine Gewohnungsfrage.
Kommentiert von: Michel | Freitag, 30. Juli 2010 um 19:25 Uhr
wer essen wirklich geniesst, wird selten fertigfutter aus der dose wählen, wobei zwischendurch mal ein mac und pommes durchaus auch ein bewusster genuss sein kann. so wie gschwellti mit quark und frischen kräutern oder ein richtig feines entrecote... meines erachtens kommt es darauf an, bewusst zu essen und zu geniessen.
Kommentiert von: gabriele | Freitag, 30. Juli 2010 um 22:13 Uhr
Wie wahr. Solche Gedanken gehn mir auch immer wieder durch den Kopf. Manchmal würde ich diese Personen gerne fragen, was sie sich denken, bei diesem Einkauf. Aber es geht mich ja nichts an.
Ich musste letztens eine neue Erfahrung machen. Früher liebte ich den Tirolercake aus der Migros über alles. Ich konnte kaum genug davon haben. In den letzten Jahren hab ich den aber nie mehr angerührt, es war kein Bedürfnis da. Als vergangene Woche eine Arbeitskollegin ein paar Fertigkuchen aus der Migros mitbrachte, konnte ich dem Tirolercake nicht widerstehn. Und ich wurde enttäuscht! Ich war wirklich überrascht, aber ich fand ihn wirklich überhaupt nicht mehr gut. Schmeckte ich den zu vielen Zucker oder das künstliches Zeugs? Ich weiss ja gar nicht, woraus er genau besteht. Aber anscheinend hab ich auch meine Geschmacksknospen dank dem Backen wieder erlangt :)
Kommentiert von: Rahelradisli | Samstag, 31. Juli 2010 um 14:11 Uhr