Im schmucken Chalet an der Dorfstrasse mitten in Grindelwald gaben sich einst Bergführer und Skilehrer die Klinke in die Hand. Heute laden hier Christine Jucker und Mändel Inäbnit im C&M Café zum genussvollen Verweilen ein. Nach neun Saisons auf der Mönchsjochhütte und drei Jahren auf dem Faulhorn wirten sie hier nun schon seit 2003.
Schön ist es im ersten Stock des stilvoll umgebauten Hauses. Die Liebe zum Detail ist spürbar, die dezente Beleuchtung und die Kerzen vor dem Fenster lassen heimelige Stimmung aufkommen. Kurz nach dem Wein - wir haben aus der sehr gut sortierten Weinkarte den schönen Grünen Veltliner von Rudi Pichler aus der Wachau im Offenausschank ausgesucht - erreicht uns der Gruss aus der Küche: eine "Bruschetta nach Art des Chefs". Auf das geröstete Brot und den Parmesancracker können wir uns einen Reim machen, auf die kalten Tomatennudeln dazwischen eher weniger.
Der Start gelingt aber dann doch noch. Der winterliche Blattsalat (in der kleinsten der drei verfügbaren Grössen) überzeugt durch die Kombination von Trockenfleisch, Orangen und Baumnüssen mit dem vielleicht einen Tick zu stechenden Balsamicodressing. Ein wahres Gedicht ist das Duo von Spinat-Ricotta- und Steinpilz-Ravioli an Salbeibutter.
Gute Karten also für einen rundum gelungenen Abend, zumal uns auch die Hauptgänge - Rindsfilet vom Black Angus Rind an Morchelsauce auf Rahmwirsing mit Gnocchi-Malfatti und in der Folie gedünstetes Bachsaiblingsfilet mit Gemüse, Salzkartoffeln mit Kräuterquark - schon beim Lesen der Karte das Wasser im Mund zusammenlaufen liessen.
Dieses bleibt uns dann aber förmlich im Hals stecken, als wir das sehr unregelmässig dicke, auf der dünneren Seite komplett durchgegarte Rindsfilet zurückgehen lassen. Christine Jucker kommt nichts Besseres in den Sinn, als mit uns vor allen anderen Gästen in belehrendem Ton eine lautstarke Diskussion über Garstufen zu beginnen.
Auf der Berghütte hätten wir unsere Entscheidung vielleicht nochmals hinterfragt. In einem Restaurant, das gemäss Website "anspruchsvolle Gäste im stilvoll-gemütlichen Ambiente mit hausgemachten Köstlichkeiten verwöhnen" will, müssen wir ob diesem Verhalten aber nur ungläubig und entsetzt den Kopf schütteln.
Schade, denn so konnten wir die Hauptgänge nicht mehr so geniessen, wie sie es im zweiten Anlauf durchaus verdient hätten - reichhaltig und sehr schön kombiniert das Rind mit seinen Beilagen, dezent gewürzt und schonend gegart der Fisch und sein Gemüsebett.
Auf Dessert und Kaffee verzichten wir nach all der Aufregung. 160 Franken sind nicht zuviel für das, was im C&M an diesem Abend auf den Tisch kam. Dass wir dieses Mal mit einem unguten Gefühl im Bauch nach Hause gehen, ist weder dem Essen noch dem Ambiente anzulasten.
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