Ein Wochenende im Berner Oberland wäre nicht komplett ohne einen Besuch bei Hoefliger-von Siebenthals in Saanenmöser. Diesmal haben wir es sogar zweimal ins Chalet-Hotel Hornberg geschafft. Und zweimal sehr genossen!
Das gemütliche Restaurant ist am Sonntag Abend komplett ausgebucht. Glücklichweise dürfen wir uns in einer Nische an einen geräumigen runden Tisch setzen. Bedienung Nadia und Chef Christian Hoefliger empfangen uns mit fast schon überschwänglicher Freundlichkeit. Wir fühlen uns im Hornberg von der ersten Minute an willkommen - wie immer schon, seit über dreissig Jahren.
Nach dem Gruss aus der Küche gelingt der Start mit der Terrine von mediterranem Gemüse fast perfekt. Zwar ist sie etwas gar kühl, das wird aber durch die kunstvoll eingeschnittenen und auf den Punkt gebratenen Jakobsmuscheln mehr als ausgeglichen. Die Safran-Mayonnaise passt gut dazu und ist nicht zu schwer. Der Blattsalat ist frisch, und selbstverständlich dürfen wir uns auch vom Salatbüffet bedienen, das für die Hotelgäste bereitsteht.
Zum Hauptgang wählen wir zweimal Fisch und einmal Cordon Bleu. Sowohl beim Wolfsbarsch wie bei der Dorade ist der Garpunkt genau getroffen. Der dezent getrüffelte Rahmwirsing zum Wolfsbarsch ist etwas gar knackig und hätte für meinen Geschmack etwas mehr Rahm vertragen können. Zu viel Biss hat auch das rote Zwiebelchutney, das dafür mit seiner feinen Süsse überzeugen kann.
Das Cordon Bleu kommt mit ganz klassischen Beilagen - Pommes Frites und Gemüse, ist aber sonst alles andere als banal. Es ist mit Etivaz und Trockenfleisch gefüllt und wird von einer knusprigen Haselnusskruste umhüllt. Allerdings hätte es keine Sekunde länger in der Pfanne bleiben dürfen.
Zum Abschluss gönnen wir uns das Rumtöpfli, einen Klassiker des Hauses, und eine leicht extravagante Kreation: Weisses Tonkabohnen-Mousse mit Mango-Chili-Ragout. Die Mousse könnte nicht besser sein, aber das Ragout hat eindeutig zuviel Chili abbekommen und ist nicht geniessbar. Christian Hoefliger geht professionell und mit viel Charme mit der Reklamation um - Scharte ausgewetzt!
Der Sauvignon Blanc von Umathum aus dem Burgenland war ein passender Begleiter für alles ausser dem Cordon Bleu. Aber natürlich fand sich dafür ein schöner Ersatz in der gut sortierten und vernünftig kalkulierten Weinkarte.
Am Schluss stehen knapp 350 Franken auf der Rechnung - beileibe nicht zuviel für ein solch gediegenes Nachtessen zu viert in einem schönen Rahmen. Auch die sehr freundliche und aufmerksame Bedienung macht Lust, bald wiederzukommen.
A propos Wiederkommen: Zwei Tage später haben wir auf der Sonnenterrasse ein Fondue genossen. Super Käsemischung, toller Wein dazu (Molignon von Adrien Mathier), aber auch ein Wermutstropfen: Kartoffeln nur gegen Aufpreis! Ein Missverständnis, wie mir Christian Hoefliger später per Email bestätigte. So soll es auch sein: Wie ein kurze Umfrage zeigte, essen nämlich gut die Hälfte der Leute ihr Fondue mittlerweile (auch) mit Kartoffeln.
Dieser Beitrag ist der vorläufig letzte über die Ferienregion Gstaad - Saanenland. Am 15. Januar habe ich im Berner Oberland verschiedene Leute aus Gastronomie, Hotellerie und Tourismus getroffen. Zu jedem dieser Besuche gibt es ein kurzes Video:





Ich war vor Jahren mal da, als das Hotel noch von der älteren Generation geführt wurde - es war toll! Dein Bericht motiviert, endlich mal wieder hinzufahren, vielleicht für Mini-Ferien ... Danke für den Anstoss!
Kommentiert von: Marcel Widmer | Dienstag, 02. März 2010 um 09:29 Uhr