[erstmals publiziert am 30.10.2005]
In unserer Familie hat ein jährliches Wildessen mit der ganzen Sippe Tradition, und genau so regelmässig beehren wir den Hirschen in Sangernboden/BE zu diesem Anlass.
Sangernboden ist ein Ort, den man gemeinhin als "nicht gerade am Weg" bezeichnen würde, ist er doch nur von Freiburg her über die Strasse nach Schwarzsee oder aber vom Gürbetal her über den Gurnigel zu erreichen. Die Reise an diesen verlorenen Flecken Erde lohnt sich aber allemal.
Eins vorweg: Unser diesjähriger Besuch wurde arg getrübt von enorm langen Wartezeiten. Wir trafen um 1215 ein, wurden aber erst gegen 1300 überhaupt nach der Vorspeise gefragt, und die Hauptspeise stand erst knapp vor zwei Uhr auf dem Tisch. All dies unter dem Mantel der absoluten Verschwiegenheit - das Personal fühlte sich nicht beflissen, uns über den Zeitplan der Küche aufzuklären, und goss einfach mal regelmässig Wein nach.
Die Vorspeisen waren allesamt saisongerecht und mundeten, liessen es aber etwas an Originalität vermissen. Die Steinpilzsuppe mit Blätterteighaube fanden wir indes besonders erwähnenswert.
Als Hauptgang hatten wir einen ganzen Rehrücken vorbestellt, der optisch sehr gefällig präsentiert wurde (siehe Foto), aber der Mehrheit am Tisch zu roh erschien. Über diesen Punkt lässt sich bekanntlich streiten, aber einige Stücke waren tatsächlich nur gerade angebraten.
Absolut positiv zu vermerken war hingegen, dass die beiden Fleisch-Services mit unterschiedlichen, allesamt hervorragend zubereiteten Beilagen und einer sehr guten Wildsauce serviert wurden.
Zum Dessert dann wieder Klassiker in ansehnlichen Portionen: Meringues, Coupe Nesselrode, Brönnti Creme.
Aus der umfangreichen Weinkarte wählten wir einen im Barrique ausgebauten Humagne Rouge aus dem Wallis, der sich als passender Begleiter zu unserem Mahl entpuppte.
Wir werden wohl nächstes Jahr wieder im Hirschen zu Gast sein - aber auf jeden Fall ein besseres Timing erwarten.
Gasthof Hirschen, 1738 Sangernboden/BE
026 419 1158
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