Im Hotel
Hornberg habe ich schon als Fünfjähriger an strengen Skitagen Pommes
Frites und Suppe verdrückt. Gut dreissig Jahre später ist in
Saanenmöser vieles anders geworden - die Gastfreundschaft der Familie
von Siebenthal bleibt.
An diesem Sonntagabend im Februar empfängt uns Christian Hoefliger-von
Siebenthal, mit seiner Frau Brigitte Herr des Hauses in dritter
Generation, persönlich. Die warme Ambiance und der schön gedeckte Tisch
stimmen uns auf einen sehr angenehmen Abend ein.
Aus der mit viel Sachverstand zusammengestellten Weinkarte wählen wir zum Apéritif einen Sauvignon Blanc 2003 von der Wiler Trotte. Der Ausflug ins Aargauer Fricktal lohnt sich: die Restsüsse macht den Wein zum Geheimtipp.
Start mit gemischten Gefühlen
Das Randenmousse mit Nüsslisalat und Kerbeldressing erhalten auch die
Hotelgäste als Auftakt zum Abendmenü. Die Vorspeise ist sehr delikat
zubereitet und perfekt kombiniert. Diese Topleistung lässt sich
Küchenchef Marco Feuz allerdings mit doch unbescheidenen 17 Franken
honorieren. Der frische Blattsalat hingegen ist seinen Preis (8
Franken) absolut wert.
Wenig begeistert sind wir von den Spinatravioli mit Rosmarinbutter.
Recht dicker Teig umhüllt für unseren Geschmack zu wenig Füllung. Zudem
scheinen die Ravioli in der Butter aufgebraten worden zu sein und haben
fast schon eine Kruste. Insgesamt nicht unsere Vorstellung von
hausgemachten Teigwaren.
Gelungen ist dafür das Schwarzwurzelschaumsüppchen mit schwarzem
Trüffel. Die verschiedenen Zutaten fügen sich zu einem harmonischen
Bild zusammen. Das ist nicht selbstverständlich: der Schwarzwurzelsud
hat relativ wenig Eigengeschmack, die Pilze dafür umso mehr.
Isches nume mi, oder isch da gar ke Wasabi drin?
Zwei überzeugende Weine in Flaschenqualität, die im Hotel
Hornberg offen ausgeschenkt werden, begleiten unseren Hauptgang. Zum
Fleisch gesellt sich ein wuchtiger Salomon 2005 von der Domaine Cornulus im Wallis, den Fisch erwartet ein Sancerre 2005 "Moulin des Vrillères", gewachsen auf den Kalksteinböden des Loiretals.
Sowohl der Coq au vin mit Mohnnudeln, das Kalbsschnitzel mit
Bratkartoffeln wie auch der Hackbraten mit Pflaumen schmecken rundum
gut. Die Pommes Duchesse zum Hackbraten erhalten sogar das Prädikat
"beste der Welt". Wir bewerten Sie gleich wie der Eisbär den Iglu:
aussen schön knusprig und innen schön weich.
Ratlos hinterlässt uns die Beilage zum Wolfsbarsch an weisser
Portweinsauce. Entweder ist im angekündigten Wasabi-Kartoffelpüree gar
kein Wasabi drin, oder dann nur in so homöopathischer Dosis, dass wir
ihn nach all den Sinneseindrücken nicht mehr wahrnehmen. Schade, denn
der pikante japanische Rettich hätte gut zum perfekt gebratenen Fisch
und der rahmigen Sauce gepasst.
Finale furioso
Auch
wer eingentlich schon genug hat, bestellt im Hornberg noch ein Dessert.
Zu verführerisch ist die Karte zusammengestellt. Zweierlei
Tobleronemousse mit Orangenfilets, ein kunstgerecht aus Rahm, Kaffee
und Glace gemischter Eiskaffee, Zitronengrassorbet mit exotischem
Fruchtsalat - was an den Tisch kommt, übertrifft die Vorfreude noch um
Längen.
Dem weissen Kaffeeglace mit Schoggimadeleine setzt die schöne Dekoration mit Passionsfrucht, dem dazugehörigen Coulis und Himbeermark das I-Tüpfelchen auf, genau wie die sündigen Blätterteigstangen dem Tobleronemousse. Dass die Sesamhippe zum Kaffeeglace fehlt, fällt da schon gar nicht mehr auf.
Als Michaela Hauswirth, die uns schon den ganzen Abend freundlich und aufmerksam bedient hat, zum Kaffee auch noch ein Bettmümpfeli serviert, sind wir rundum glücklich und zufrieden. Christian Hoefliger begleitet uns zusammen mit der Seniorchefin zur Tür und bedankt sich für unseren Besuch.
Wir haben zu danken, Herr Hoefliger - und freuen uns auf weitere 30 Jahre Gastfreundschaft im Hotel Hornberg!
Chalet Hotel Hornberg
3777 Saanenmöser/BE
[Karte]
Telefon +41 (0)33 748 6688

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