Samstag
gegen 11.30, in einem Megastore vor den Toren der Stadt. Viel Verkehr
drinnen wie draussen. Auf dem Parkplatz tobt der Kampf um die letzten
Lücken, drinnen rollen Bierdosen zum Spottpreis, Tiefkühlkost und
allerlei Dosenfutter für Mensch und Tier unablässig in Richtung der
zwanzig Kassen. Frische Früchte, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Brot
erstrecken sich zwar über Hunderte von Quadratmetern. Einkaufswagen, die
bis unter den Rand damit gefüllt sind, sind aber an einer Hand
abzuzählen.
Nun
gehört Einkaufen nicht zu den Tätigkeiten, die mir maximale
Rechenleistung abverlangen. Drum habe ich auf der Strecke zwischen Brie
de Meaux, Bio-Karotten und Hohrückensteak Zeit zum Nachdenken: Was fühlt
der beleibte Herr da drüben, wenn er sein drittes Bier aufmacht und
sich dazu ein weiteres Stück Analogkäse-Pizza reinschiebt? Was überlegt
sich die junge Mutter, die ihr Kind mit Comella und Pommes Chips
ruhigstellt? Weiss der gutgekleidete Geschäftsmann, wie wenig seine
Fertigmenüs mit dem zu tun haben, was draufsteht?
Wer
jetzt hier ein hochnäsiges Bashing erwartet, täuscht sich. All diese Leute
haben einen Grund, so zu essen wie sie essen - und sei es nur, weil es
ihnen komplett egal ist: Hauptsache ernährt. Aber sie verpassen etwas.
Genau darum kann man übers Essen und Trinken gar nicht genug erzählen.
Seit zwanzig Jahren gibt es ihn nun schon, den Spitzenwein Santagostino Baglio Sorià aus Sizilien. Grund genug für Vinzia Di Gaetano vom Weingut Firriato, mit ihrem Sortiment auf Europatournee zu gehen. Am Montag machte sie ihn Zürich Halt, um sich bei denen zu bedanken, die zum Erfolg von Firriato beigetragen haben.
Fast das ganze Sortiment wurde im schicken Restaurant Du Théâtre zu einem hervorragenden Viergangmenü ausgeschenkt. Dabei zeigte sich, wie stark der sizialinische Weinbau auf autochthone Reben setzt. Der ausgezeichnete, füllige Camelot ist zwar ein klassischer Bordeaux-Blend mit 60% Cabernet Sauvignon und 40% Merlot. Das Geburtstagskind Santagostino mit 50% Nero d'Avola, der sizilianischen Weintraube schlechthin, und 40% Syrah, lässt bekannte Namen anklingen. Dann aber wird's exotisch: Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio im Cavanera "Rovo delle Coturne" von den Hängen des Ätna, Perricone im Ribeca, dem Bruder des Camelot in der Premiumlinie. Dazu gehört auch der Harmonium aus 100% Nero d'Avola, den Vinzia aber leider nicht dabeihatte.
Denen, die sagen, südlich von Mailand sollte Weisswein gar nicht erst angebaut werden, hält das Weingut Firriato drei gute Argumente entgegen. Der Altavilla della Corte aus 100% Grillo ist zwar gar säurebetont geraten, passt aber trotzdem gut als Apérowein. Im weissen Santagostino, der je zur Hälfte aus Chardonnay und Cattaratto besteht, klingen deutliche Erinnerungen ans Burgund an. Fast schon fleischig-buttrig kommt der Cavanera "Ripa di Scorciavacca" daher, in dem die Rebsorte Carricante dominiert.
Das Dessert im Du Théâtre - Schokoladenkuchen mit frischem Fruchtsalat - war eine Herausforderung für den Süsswein. Firriato löste auch diese Aufgabe mit Bravour: Der klassische Zibibbo-Passito "L'Ecrù", dem noch etwas Malvasia beigemischt wird, ist frisch und spritzig. Seine Süsse ist sehr gut ausbalanciert und hat gar nicht Sirupartiges an sich.
Abgesehen vom Wein und dem Essen fand ich an diesem Event auch spannend zu sehen, wie der Schweizer Weinmarkt tickt. Dass sich im einem so begrenzten Gebiet derart viele Importeure und Händler um die Weine eines Weinguts förmlich balgen, hat mich doch ein bisschen erstaunt. Sie sind denn auch gar nicht begeistert, einen Wein von Firriato jetzt auch bei Denner zu sehen: Wie sich das auf Image und Preis auswirken wird, war Gesprächsthema Nummer 1.
Meine Empfehlung für ein Probierset: je 1 Flasche Santagostino Bianco, Santagostino Rosso, Ribeca und Camelot (zusammen brutto 115.80 Franken). Salute!
Die erste Version hatte ich letztes Jahr ziemlich ununwunden kritisiert. Verleger Philip Pauli hat mich daraufhin gebeten, bei der Entwicklung der Version 2.0 mitzuhelfen, mit folgendem Resultat:
Die Suche wurde stark verbessert. Sie ist
jetzt auf dem Startbildschirm integriert und findet auch die
französischen Rezeptnamen zuverlässig. Vor allem muss der Benutzer jetzt nicht mehr mit der Kapitelstruktur des PAULI Rezeptbuchs vertraut sein, die sich Laien nicht unbedingt erschliesst.
Rezepte können als Favoriten gekennzeichnet werden, und auch der
Emailversand als Text oder
PDF ist möglich (10 Rezepte pro Woche).
Das
Lebensmittel-Lexikon umfasst jetzt einen noch grösseren Teil der
Inhalte aus dem Lehrbuch.
Die 17 Lehrvideos "Basis der Küche" zu allen Garmethoden
sind im Preis inbegriffen und müssen nicht mehr als In-App-Purchase für 5.50/Stück dazugekauft werden.
Die App kostet weiterhin 49 Franken. Kein Schnäppchen angesichts der internationalen Konkurrenz, die für einen Bruchteil davon oft wesentlich mehr als 1250 Rezepte bietet. Vergessen wir aber nicht: Der PAULI ist nicht einfach ein Kochbuch, sondern seit 80 Jahren das offizielle Lehrmittel der Schweizer Köche, an dem ein Team von rund 50 Autoren aus Ausbildung und Praxis arbeitet.
Ich als Gourmet und Hobbykoch benutze das Rezeptbuch und das Lehrbuch oft und gerne. Dass ich die wichtigsten Teile davon - mit praktischen Zusatzfunktionen - auch in der Hosentasche mitnehmen kann, ist mir den Preis wert.
Möchtest Du die neue PAULI iPhone-App testen und darüber bloggen oder in einer anderen Publikation darüber schreiben? Melde Dich doch per Kommentar oder Email!
25 g Blauschimmelkäse (Stilton, Gorgonzola, Cambozola, Roquefort, Saint-Agur
...)
1 Esslöffel Quark
Salz und Pfeffer
Für den Salat die Pinienkerne in der heissen Bratpfanne ohne Fett rösten. Wenig Öl und die Gewürzmischung beifügen und gut erhitzen. Die Karotten dazugeben und 2-3 Minuten dämpfen (sie sollen noch leicht knackig sein). In eine Schüssel geben und die Rosinen daruntermischen. Mit Rapsöl und wenig Zitronensaft anmachen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Für die Brötchen den Käse mit einer Gabel zerdrücken und mit dem Quark mischen. Pfeffern und wenn nötig leicht salzen. Die Brotscheiben toasten und dick mit der Käsemasse bestreichen.
Für die Crostini Tomaten, Knoblauchzehen und Basilikum und Olivenöl mischen. Salzen und Pfeffern. Das Brot auf dem Grill leicht anrösten. In eine Alu-Grillschale geben, mit der Tomatenmischung belegen und die Parmesanspäne darüber verteilen. Bei schwacher indirekter Hitze auf den Grill geben, bis der Käse geschmolzen ist.
Das Fleisch pfeffern und auf dem Grill beidseitig scharf anbraten. Je nach gewünschter Garstufe noch kurz weiter grillen. Mit Fleur de sel bestreuen, tranchieren. Mit den Crostini anrichten und wenig Crema di balsamico darübergeben.
"Wein im Web 2.0" ist das Thema, das uns nun schon zum vierten Mal zusammenführt. Dank Stefan und Matthias von Baccantus findet das nächste WeinNetzCH am 3. Juni 2010 nicht in Zürich, sondern an den Ufern des Bodensees statt.
Update: Wir treffen uns ab 19:15 im 1. Stock des Hotels SeeRhein. Das Thema des Abends lautet (wenig verwunderlich):
«Wii vom Rhii – Wein vom Rhein – Vin du
Rhin»
Ich freue mich, dass neben den "üblichen Verdächtigen"(und das ist durchaus sehr wertschätzend gemeint) von Flaschenpost, Romazini, Weinagent und Delinat auch neue Unternehmen und Gesichter auf der Anmeldeliste auftauchen. Das WeinNetzCH soll für alle offen sein, die sich mit "Wein im Web 2.0" beschäftigen, egal ob klassischer oder Online-Händler, Produzent, Bloggerin, Twitterer oder Journalistin.
In Süddeutschland steht zu Spargeln meistens Kratzete auf der Karte - ein in Stücke zerteilter Pfannkuchen, der ganz einfach zuzubereiten ist:
4 Eier, getrennt
250 g Mehl
500 ml Milch oder Milch-Wasser-Mischung
Salz
Bratbutter oder Öl
Die Eigelb gut mit dem Mehl und der Milch verrühren. Salzen. Eine halbe Stunde ruhen lassen, dann das steif geschlagene Eiweiss unterziehen.
Butter oder Öl in einer Bratpfanne erhitzen und ca. 3-5 mm dicke Pfannkuchen darin goldig braun backen. Am Ende mit zwei Bratschaufeln in Stücke reissen und warmstellen.
Wer möchte, kann gehackte Kräuter wie beispielsweise Bärlauch unter den Teig mischen.
Für Kratzete gibt es fast so viele Rezepte wie Köchinnen und Köche - wie bereitest Du sie zu?
Was für ein schöner Tag gestern! Ideal, um gleich die Spargel- und die Grillsaison zu lancieren.
Zum gekochten weissen Spargel und dem Kalbskotelett vom Grill passte diese südländisch angehauchte Vinaigrette ausgesprochen gut:
1 mittlere Zwiebel, gehackt
8 in Öl eingelegte getrocknete Tomaten, gehackt
2 Esslöffel Kapern, grob gehackt
1 Bund Schnittlauch, in Ringe geschnitten
1 Tomate, in kleine Würfel geschnitten
Weisswein
4 Esslöffel Weisser Balsamico
4 Esslöffel Olivenöl
Salz und Pfeffer
Die Zwiebeln und die getrockneten Tomaten in etwas Öl (das Öl an den Tomaten sollte reichen) dünsten. Mit einem guten Schuss Weisswein ablöschen und vollständig einkochen lassen. In eine Schüssel geben.
Balsamico und Olivenöl zu gleichen Teilen hinzugeben und alles gut vermischen. Salzen und pfeffern. Abkühlen lassen.
Kapern, Schnittlauch und Tomatenwürfel daruntermischen. Falls die Vinaigrette zu wenig flüssig ist, nochmals etwas Balsamico und Olivenöl dazugeben. Abschmecken.
Im Gasthaus Aspen hoch über Grindelwald ist die Abendkarte erstaunlich kreativ. Der Koch will aber ab und an einfach zuviel - seine guten Ideen finden den Weg auf den Teller nicht immer.
Nachdem sich der Winter Anfang März wider Erwarten noch einmal mit Nachdruck zu Wort gemeldet hat, ist die Anfahrt in den Weiler Itramen an der Bergflanke des Männlichen ein bisschen abenteuerlich. In der modern eingerichteten Gaststube wird es aber bald wieder gemütlich.
Schon in der Abendkarte zu lesen ist ein Vergnügen. Die Brigade des Aspen sprüht ganz offensichtlich vor Kreativität. Da wird munter und mutig kombiniert - recht ungewohnt für ein Restaurant in den Bergen. Wir spielen mit und bestellen kreuz und quer.
Leider zeigt sich schon bei den Vorspeisen, dass die auf dem Papier gemachten Versprechen nicht ganz eingehalten werden können. In der Zitronengrasconsommé ist der Geschmack desselben bei allem guten Willen nicht auszumachen. Die Kartoffelrandencrème schmeckt wie Tomatensuppe, und der "Sahnemeerrettich" dazu ist einfach nur Schlagrahm. Schade, dass bei beiden Suppen gerade das Spezielle nicht zur Geltung kommt.
Zu den Hauptgängen: Klar, es mag unvorsichtig sein, hoch oben auf dem Berg Seeteufelmedaillons auf einer winterlichen Gewürzgurkenkonfitüre mit Mohnschupfnudeln an einer Hummerbisque zu bestellen. Aber die Küche muss sich am Anspruch ihrer Karte messen lassen. Und sie wirkt hier ziemlich überfordert. Die Seeteufelmedaillons sind sauber auf den Punkt gegart, liegen aber auf einem viel zu grossen Bett von viel zu sauren Gewürzgurken. So hat die Hummerbisque, die zudem über den ganzen Teller verteilt ist, keine Chance, sich mit den gelungenen Schupfnudeln in Szene zu setzen.
Auch der Suure Mocke "Aspen-Special" leidet darunter, dass die Küche zuviel will. Ein derartiger Klassiker gehört schnörkellos serviert, er lebt vom Unkomplizierten. Im Aspen wird daraus ein Kunstwerk, das nicht so recht begeistern kann: Das recht zähe Fleisch ist arg knapp von der Sauce bedeckt, die Feigenkrautbonbons - eine Art Frühlingsrollen - enthalten verkochtes Rotkraut. Von den Feigen ist nichts zu spüren. Der getrüffelte Kartoffelstock ist dafür eine Wucht, davon hätten wir mehr als das kleine Glas gegessen.
Zum Dessert ist uns die Experimentierlust vergangen. Kein Problem - das Aspen hält eine grosse Auswahl Burehof-Glace von der Familie Inäbnit aus Grindelwald bereit. Hier treffen wir zum Abschluss doch noch die Einfachheit, die wir uns für das ganze Menü gewünscht hätten. Die Qualität stimmt nämlich, wie auch die Preise.
Dass sich das Aspen auf das schlichte Handwerk durchaus versteht, durften wir übrigens zwei Tage später über Mittag feststellen: Der "Aspen-Burger Deluxe" gehört zu den besten, die wir je gegessen haben.
Viel hat dieser Beitrag nicht mit Essen zu tun. Aber immerhin bietet sich ein Vergleich an, den auch schon Christina angestellt hat:
Wer zu viel zwischendurch isst, wird dick. Und wer ständig nach neuen Signalen aus dem Internet giert, endet genauso übersättigt.
Zumindest was Emails angeht, habe ich nun mein Rezept (!) gefunden, dem ein Ende zu setzen: Die "Inbox Zero - automatisch"-Methode, für die ich Andreas von Gunten noch lange dankbar sein werde. Worum geht's?
Für jeden Absender (oder mindestens jede Absenderdomain) wird ein Filter definiert, der die Emails einem bestimmten Label zuweist und sie sofort ungelesen archiviert. Sie erscheinen also gar nicht mehr in der Inbox.
Die Labels entsprechen meinem häufigsten Grund, weshalb ich von einem Absender Emails erhalte, also beispielsweise La table d'hôte, Social Networks oder Mandat_XY.
Nur Labels, die ungelesenen Emails zugeordnet sind, werden überhaupt noch angezeigt. (In Gmail ist das eine Einstellung innerhalb von Google Labs)
Das sieht dann zum Beispiel so aus:
Die Inbox dient also nicht länger als Trigger für irgendwelche Aktivitäten oder als To-Do-List. Sie ist nämlich - wenn konsequent jeder Absender seinen Filter bekommt - immer häufiger leer. Dafür sind Emails zu einem bestimmten Thema schön vorsortiert und können leichter in einem Rutsch abgearbeitet werden.
Zwei weitere schöne Nebeneffekte habe ich für mich persönlich festgestellt. Da ich mir bei jedem noch ungefilterten Email sofort überlege, welches Label es denn nun bekommen soll, steht es automatisch ganz auf dem Prüfstand. Konsequenz: Ich habe die 90% der Newsletter, die ich sowieso nie lese, endlich abbestellt.
Zudem verzichte ich jetzt auf fast alle Notification Emails von sozialen Netzen. Durch kommen nur reputationsrelevante, also Photo-Taggings und dergleichen. Jemand hat mir eine Eventeinladung auf XING geschickt? Hat einen Beitrag von mir auf Facebook kommentiert? Folgt mir neu auf Twitter? Das kann doch alles warten, bis ich das nächste Mal Zeit wirklich Zeit dafür habe.
Kehren wir (da das ein Foodblog ist) zum Vergleich mit dem Essen zurück: Bis vor kurzem habe ich gegessen, sobald etwas da war. Jetzt esse ich wieder zu geregelten Zeiten und höre auf mein Hungergefühl!
Was meint Ihr zu dieser Methode gegen den Information Overload? Was sind Eure Tricks?
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